Vorfeld Festhalle Frankfurt

Briefing

„Das Vorfeld der Festhalle stellt eine stadtraumliche Öffnung dar, die aber momentan nicht ihr positives Potenzial entfaltet. Der Ort hat eine unwirtliche Atmosphäre. Eine zugige Pflasterfläche, die zu durchqueren eher lästig wirkt. Der Blick in den Hinterhof der Festhalle mit den Andienungsfläche trägt auch dazu bei. Zudem wirken die Gebäude Festhalle, Messeturm und CMF bindungslos platziert. Wir suchen eine Lösung, die diese Probleme überwindet und die Rolle des Platzes als ein offener, positiver Stadtraum zur Geltung bringt.“

Lösung

Unsere Lösung setzt bei der Festhalle an, die 1906 von Friedrich von Thiersch geplant wurde. Sie war funktional ein Prototyp. Ihr Erschließungssystem und ihre Gestaltung orientieren sich an klassischen Schlossbauten. Schaut man heute auf die Rückseite der Festhalle, sieht man eine Gartenseite wie bei einem Schloss. Die Menschen kommen von innerhalb der Festhalle nach draußen und nur teilweise umgekehrt.

Am 25. März 1906 schrieb die Stadt Frankfurt am Main einen Wettbewerb für eine Ausstellungs- und Festhalle mit Nebenbauten aus. In der Auslobung hieß es:

„Als Bauplatz für die zu entwerfenden Bauanlagen steht das Gelände am Hohenzollernplatz und der Bismarckallee zur Verfügung. Baulichkeiten sind auf dem Gelände so anzuordnen, dass sie von den erwähnten Straßen aus bequem zugänglich sind und dass sich an die Bauten nach Westen zu, zwischen der Bismarckallee und dem Güterbahnhof bis zur Varrentrappstraße ein Park anschließt, in dem gegebenen Falles weitere Gebäude für zeitweilige Ausstellungen errichtet werden können.“

Thiersch kannte damals die Situation in Frankfurt genau. Nach dem Misserfolg 1880 beim Wettbewerb für den Bahnhof in Frankfurt/Main kam 1882 für ihn der Durchbruch mit dem Reichstagswettbewerb in Berlin. Der 1. Platz beim größten Bauvorhaben des deutschen Reiches stellte den bis dahin nahezu unbekannten Thiersch in die erste Reihe der deutschen Archi­tekten, auch wenn Wallot die Ausführung zugesprochen bekam.

Wichtig ist: In seiner „Studie zur Bebauung des Geländes der Ausstellungs- und Festhalle zu Frankfurt a. M.“ von 1920 nahm Thiersch eine Rahmung der Festhalle durch flankierende Bauteile bereits vorweg. Im Vorfeld hatte Thiersch eine Gartenfläche geplant. Diese Leitidee wird von unserem Entwurf aufgenommen.

Städtebauliche Einordnung

Aus einem Achsenplan haben wir einen dreieckigen Baukörper entwickelt, der auf die Festhalle und den Messeturm bezogene Sichtachsen und Raumkanten berücksichtigt. Dieser Baukörper ist notwendig, um der Festhalle und dem Festhallenvorraum eine Fassung zu geben. Sie bildet mit gleicher Höhe und ähnlicher Baumasse wie das CMF einen perfekten baulichen Rahmen für die Festhalle.

Die Festhalle tritt damit in das Zentrum eines Gebäudeensembles, in dem der neue Baukörper vorrangig als Fassung und nicht als Form fungiert.

Die unmittelbare Nachbarschaft des neuen Gebäudes zum Messeturm erfordert allerdings ein Gebäude mit eigenem Charakter. Dies muss durch eine skulpturale Baukörperausbildung erreicht werden, damit das Gebäude nicht wie ein „kleiner Messeturm“ wirkt.

Um die Funktion der Fassung zu übernehmen, wird Form nötig: Ein Baukörper also als Fassung und Form.

Verkehr / Erschließung

Zur Verlegung der vorhandenen Tiefgaragenzufahrt ist es notwendig, den Wendekreis der Straßenbahn durch ein Ausziehgleis in der Friedrich-Ebert-Anlage zu ersetzen. Die Rampe der Zufahrt zur bestehenden Tiefgarage (Halle 1) wird in das Gebäude verlegt, die im Bestand nach oben offene Zufahrt wird geschlossen. Die Ausfahrt aus der Gebäudetiefgarage erfolgt über die Ausfahrt der Tiefgarage der Halle 1. Beide Garagen könnten somit funktional auch als eine einzige Garage bezeichnet werden.

In der 3-geschossigen Tiefgarage des Neubaus sind ca. 200 Stellplätze untergebracht. Der Taxenstand vor dem CMF erhält ein dem CMF vorgelagertes, durchgehendes Dach mit Teilverglasungen. Durch die Anordnung eines durchgehenden Daches ist es möglich, den Wendepunkt der Taxen zwischen den Eingängen Maritim und CMF zu positionieren.

Nutzungen

Der Baukörper bietet die Möglichkeit, ergänzende Nutzungen für die Festhalle unterzubringen, z.B. Restaurationen wie ein Fan-Café, ein Familienrestaurant, eine Sky-Lounge oder einen Business-Club. Ferner können V.I.P Services und V.I.P Logen im Gebäude untergebracht werden, eine direkte Verbindung über einen Steg zum 1. Rang der Festhalle ist grundsätzlich denkbar. Als weitere Nutzungen bieten sich Office Center und Conference Center an sowie die Nutzung als Büro- und Verwaltungsgebäude.

Konstruktiv sind durch die vorgesehene Primärkonstruktion aus Beton als Tube (Betonkern) in Trussed Tube (Betonnetzstruktur) mit weitspannenden Kugelrastergeschossdecken (Bubble-Decke) und der damit verbundenen großen Spannweiten möglichen Nutzungen wenig Grenzen gesetzt.

Im Erdgeschoss befinden sich, je nach Nutzungstypen getrennt, verschiedene Ein- und Ausgänge. Es ist ein getrennter Zugang für die Bürogeschosse vorgesehen, ein gesonderter Eingang führt zum Information Desk, der den Zugang zu den Obergeschossen regelt. Über eine Passage im Gebäude gibt es einen direkten und öffentlichen Durchgang vom Messeturm zum Festhallengarten. In der Passage besteht eine Zugangsmöglichkeit in den Messebereich, um die Zuschaltung des Gebäudes in Veranstaltungszeiten zur Festhalle zu ermöglichen.

Unmittelbar an der Passage befindet sich auch das Fan-Café mit Außengastronomie am Festhallengarten. Die doppelschalige Glasfassade (Achsraster 1,35 m) wird teilweise als Medienfassade ausgebildet, um als Informationsmedium für Festhallenveranstaltungen zu wirken und die bestehende Informationssteele zu ersetzen.

Friedrich von Thiersch

Friedrich von Thiersch (1852 – 1921) war der „Meister aller Architekturzeichner“. Nach dem Studium in Stuttgart arbeitete er im Frankfurter Büro von Mylius und Bluntschli. Bluntschli war an der ETH Zürich als Nachfolger auf den Lehrstuhl von Gottfried Semper berufen worden, Thierschs großem Vorbild.

Thiersch arbeitete u.a. in Frankfurt an der Innenausstattung der Oper Richard Lucaes sowie des Gesellschaftshauses im Palmengarten.

Er wandte sich schon früh dem Neubarock zu und gelangte schließlich zu einer freien Verwendung historischer Vorbilder, wobei er Materialien und Formen aus dem höfischen Bereich auf bürgerliche Großbauten übertrug.

Projektdaten

Projekt

Vorfeld Festhalle 
Frankfurt am Main

Wettbewerb

2007

Ergebnis

1. Preis

Auslober

Messegesellschaft und Stadt Frankfurt am Main

Partner

RMP Stefan Lenzen Landschaftarchitekten

Architektonischer Entwurf

Manfred Wenzel, Stefan Burger